Liudger-Ludger-Ludgerus

Alna-Ahlen

Ahlen gedenkt der Blindenheilung durch St. Liudger Dokumente einer Erinnerungskultur
Austellung im Museum im Goldschmiedehaus, Ahlen

vom 23. Oktober bis zum 24. November 2005

Protektorat Bürgermeister Benedikt Ruhmöller
In Kooperation VHS Ahlen
Jugendpfarrer Willi Stroband

Wir können davon ausgehen, dass der Bistumsgründer der hl. Liudger auf einer seiner Visitationsreisen die Taufkirche im Ort Alna besuchte.

Sind wir Ahlener nicht verpflichtet, das Profil und Werk Liudger's
in Ahlen wachzuhalten und zu würdigen?

In der VITA SANCTI LUDGERI, die sich im Original in der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz befindet, wird über die Blindenheilung in Ahlen berichtet. Diese Schrift wurde als Faksimile nebst den farblichen Vergrößerungen der Bilder in der Ausstellung gezeigt.

Welche Bedeutung hat der heilige Ludgerus für uns heute im 21. Jahrhundert? Die Blindenheilung in Ahlen durch den hl. Ludgerus sollte uns motivieren oder auch zum Nachdenken zwingen, dass man durch Glauben Gnaden empfangen kann.

Die gute Botschaft von Ludgerus: „Hilf dem Anderen, dem Schwächeren"
sollte uns Verpflichtung sein.

Das Ausstellungsgut kam aus Klöstern, Kirchen und von Privatpersonen, die das Andenken an St. Ludgerus sichtbar bewahrt haben.

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Bericht aus der AZ von Christian Wolff vom 30. September 2005

Ansprache des Leiters des Museums im Goldschmiedhaus Ahlen, Werner Fischer 23. Oktober 2005

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Ruhmöller
Sehr geehrter Herr Dechant Röschenbleck
Liebe Freunde, liebe Gäste,

Ein herzliches Willkommen zur Ausstellungseröffnung
 „Ahlen gedenkt der Blindenheilung durch Sankt Liudger.“ Dokumente der Erinnerungskultur.

Die Vita, die Lebensbeschreibung des heiligen Liudger ist bekannt und durch schriftliche Dokumente belegt.

Er ist es, der Ahlen christianisiert hat. Er hat den Ahlenern das Tor zur abendländischen Kultur geöffnet.
Liudger als Diener Gottes gab uns das Programm, den Leitfaden: Tue Gutes und liebe Deinen Nächsten.
Macht Euch die Erde untertan, nach der Benediktiner-Regel: Bete und arbeite.
Er überzeugte die Menschen durch das Wort und nicht durch das Schwert.
Sein Wirken, seine Botschaft reicht bis in unsere Tage. Liudger, westfälisch Ludger oder Ludgerus, ist für uns Wurzel und Quelle, der uns aus der Unbedeutsamkeit befreite und Markierungen setzte.
All das, was sich in Alna, Ahlen als Weiterungen in späteren Jahrhunderten entwickelt hat, hat seinen Grund oder Beginn in und mit Ludgerus. Ludgerus sei Dank
Als bescheidene Geste des Dankes wollen wir ihm diese Ausstellung widmen.
Zwischen Andacht und Andenken liegt der Kern der Ausstellung. Diese Gegenstände bezeugen das Selbstverständnis und den religiösen Ausdruck von Menschen in ihrer jeweiligen Zeit.

Die Ausstellung zeigt, wie sich im Laufe der Geschichte die Kunst und die religiösen Ausdrucksformen gewandelt haben. Sie zeigt aber auch den Stellenwert, den der heilige Ludgerus eingenommen hat.
Das Museum im Goldschmiedehaus ist eine Schatzkammer geworden. Nicht wegen der Wertigkeit der gezeigten Gegenstände, sondern weil diese der Verehrung dienten und noch dienen.

Es ist für das Museum, besonders für mich ein nicht zu ermessender Vertrauensbeweis der Leihgeber spürbar, der es überhaupt ermöglicht hat, Heiligtümer in Form von vier Reliquien des heiligen Ludgerus der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Sie kommen aus der Kirche St Cornelius und Cyprianus, Lippborg, aus dem Benediktiner Kloster Gerleve, aus den Ludgerus Kirchen in Moers-Kapellen und Düsseldorf.

Dank an die Kirchenvorstände, Dank an die Museen insbesondere an Dr. Thomas Ostendorf, Karl Heinz Engemann,Telgte, Rudolf Ludger Schütz, Essen-Werden, Johannes Sumpmann, Lippborg, Herrn Hilleband, Moers, Rudolf Blauth, Ahlen Dank gilt auch Herrn Probst Erdbürger, Telgte und Herrn Dechant Röschenbleck, Beckum, Pfarrer Willi Stroband, Ahlen, Pater Thomas Bücker, Bonn, Pater Heinrich Huismann, Gerleve, Pater Hermann Josef Schwerbrock, St. Franziskus Ahlen.
Meinen Dank spreche ich dem Konvent der Franziskanerinnen in Münster-Mauritz und in Telgte aus, hier den Oberinnen Schwester Manuela und Schwester Martinild.
Dank auch dem Generalvikariat in Münster und der Provinzial Versicherung, Manfred Rasfeld, Ahlen und Andreas Blechmann, Ahlen.
Danke allen Helfern, die da waren, wenn man sie brauchte.

Zu dieser Ausstellung wurden große Kostbarkeiten zusammengetragen, die Ahlen in einem neuen unerwarteten Licht zeigen. Die sakrale Kunst Ahlens verbunden mit dem Ludgerusgedenken erhält neue Freunde und mit guten Freunden lebt es sich besser.

Last but not least gilt mein Dank Herrn Blechmann von der Pfarre St. Bartholomäus mit seiner Schola, die uns mit ihrem Gesang einstimmten und weiter bereichern werden.
Möge die Ausstellung mit dazu beitragen, die Religion der Mitmenschen kennen zu lernen und zu tolerieren.
Dass religionspädagogischer Unterricht die Ausstellung begleitet und wir alle ein wenig stolz sein können, dass der heilige Liudger den Blinden in Ahlen wieder sehend machte.
Lassen Sie mich zum Schluß mit dem Einverständnis von Pater Hermann Josef die letzten Verse seiner Rosenmontagspredigt im historischen Jahr 2005 im Andenken an Sankt Liudger zitieren:
Ein Blinder konnte wieder sehn.
Und das soll heute nicht mehr gehen?
Du lieber Gott, komm zu uns runter,
mach Ahlens Bürger flott und munter!
Mach du auch uns die Augen auf!
Dann ist mir um der Zeiten Lauf
auch für unsere Stadt nicht bange.
Doch bitte!, warte nicht zu lange!



Bericht aus der AZ vom 25. Oktober 2005 (BA)



Blindenheilung in Ahlen durch den heiligen Ludgerus.
Relief von Alfred Essler am Barthelhof in Ahlen, 1990

1200 Jahre Bistum Münster
Bistumsjubiläum 805 - 2005

Ahlen begeht das historische Jahr 2005.

Aus diesem Anlaß präsentierte das Museum im Goldschmiedehaus eine
 St. Ludgerus-Erinnerungsausstellung.

Der Heilige Ludgerus (Liudger) wurde vor 742 in Friesland geboren.

Er war ein Klosterschüler des hl. Gregor zu Utrecht. In York wurde er zum Diakon geweiht. 777 wurde er Priester und wirkte 7 Jahre zu Dockum.
784 durch den Sachseneinfall vertrieben, begab er sich nach Rom und nach Montecassino, wo er in der Benediktinerabtei zwar das Mönchsgewand, nicht aber das Mönchsgelübde annahm.

In die Heimat zurückgekehrt, erhielt er von Karl dem Großen im Nordosten von Friesland 5 Gaue darunter der Gau Sudhergo (Südgau) mit dem Dorf Alna (Ahlen) als Missionsgebiet, und zu seinem Unterhalt die Abtei Lotusa (= Leuze bei Tournai) und später das neuerrichtete Bistum Mimigardeford, das spätere Münster (Konsekrationsjahr 804/5).

Nach Prof. Dr. Arnold Angenendt, Münster und Prof. Dr. Paul Leidinger, Warendorf gehen die Pfarreien Ahlen, Beckum, Freckenhorst, Herzfeld, Liesborn und Warendorf auf Taufkirchen des 8. Jahrhunderts zurück.
AHLEN wird unter dem Namen ALNA (später ALNON und Alen, bis ins 17. Jh. schrieb man AHLEN ohne H) schon zur Zeit des hl. Luidger erwähnt u.a. mit dem Wunder der Blindenheilung.

In der Lebensbeschreibung des hl. Ludgerus „vita s. Liudgeri, auctore Altfriedo Episcopo" wird Ahlen mit dem Wort Alna bezeichnet. Im Heberegister des Kloster Werden/Ruhr vom 9. bis zum 13. Jahrhundert, finden wir unter Urbar A§7 Amt Sandorats (Im Dreingau) unter Ziffer 85: „In Alnon un unam dimidium siclum" den Stadtnamen als Alnon festgelegt.

Somit begeht das Bistum Münster in 2005 sein 1200-jähriges Bestehen und die Stadt Ahlen das historische Jahr.

Es wird berichtet, dass der Missionar Liudger am 30. März 805 in Köln zum Bischof geweiht wurde. Er starb am 26. März 809 in Billerbeck und wurde in der Benediktinerabtei in Essen Werden beigesetzt. Die erste bildliche Darstellung von Ludgerus als Bischof findet man auf dem Codex aureus von Echternach 983/91.

Die Klöster Helmstedt und Werden und zahlreiche Kirchen verdanken ihm ihr Entstehen. So berichtet uns die einzige illustrierte Ludgerusvita (Lebensbeschreibung) aus dem 11. Jahrhundert von der Blindenheilung in Ahlen.



Ludgerus-Kelch

Zur Feier der Eucharistie nimmt der Kelch, der Trinkbecher, einen besonderen Rang ein. Wegen seines erhabenen Dienstes bedarf der Kelch nach uralter Bestimmung der Konsekration durch den Bischof.

In der Schatzkammer der Abteikirche in Essen Werden befindet sich der original Kelch von Bischof Liudger. Der Kelch ist von hohem historischem Rang und gilt als eines der ältesten eucharistischen Trinkgefäße des Abendlandes, der älteste Kelch Deutschlands von zeitlos-edler Form. Er stammt aus dem 8. Jh. und diente dem heiligen Ludgerus, Täufling des heiligen Bonifatius, als Reise-Missionskelch. Es ist anzunehmen, dass der heilige Ludgerus bei seiner Visitationsreise in Ahlen mit diesem Kelch das heilige Mahl feierte.

Der Kelch hat auf der Cuppa die Umschrift „Agitur haec summus pocla triumphus". (In diesem Becher vollzieht sich der höchste Triumph) und am Rande des Fußes: "HIC CALIX SANGVINIS DNI NRI IHV XPI" in der Übersetzung: „Dies ist der Kelch des Blutes unseres Herrn Jesus Christus".

Am Sonntag, dem 10. April 2005 feierte Weihbischof Friedrich Ostermann in St. Bartholomäus in Ahlen einen Gottesdienst aus Anlaß des historischen Jahres.

Auf dem Zelebrationsaltar stand auch ein Nachguß des sich in der Abteikirche zu Essen Werden befindlichen Ludgeruskelches, der sich nun im Museum im Ahlener Goldschmiedehaus befindet.

Schon in romanischer Zeit wurden die Reisekelche auch als Funeralkelche verwand, die den Bischöfen und Priestern mit ins Grab gegeben wurden.

So hat Ahlen eine fassbare und damit sichtbare Erinnerung an den heiligen Ludgerus und seine Blindenheilung in Ahlen.

Liudger heilt bei einem Mahl den Blinden von Ahlen

Dieses Heilungswunder vollzieht sich in einem kostbar ausgestatteten Saal, dessen Arkaden mit skulptierten Kapitellen und ornamentierten Bogenzwickeln die Szene erneut in zwei scharf geschiedene Bereiche unterteilen. Die linke Hälfte fiillt die für Liudger und fünf Begleiter reich mit Geschirr und Speisen gedeckte Tafel. Der Heilige ist innerhalb der dicht gedrängten Reihe durch zentrale Positionen, Größe und Nimbus betont. Liudger wendet sich zu dem rechts gestreckt am Boden liegenden und um Heilung flehenden Blinden. Hinter diesem stehen ratlos der Diakon und ein weiterer Helfer, die dem Leidenden vergeblich Speise, Trank und Almosen angeboten und ihn erst nach viermaligem Begehren zum Tisch des Bischofs vorgelassen haben. Beide Bildräume werden durch einen breiten Giebel verklammert, hinter dem die Silhouette Ahlens zum Vorschein kommt. Ein Kreuz an einem ihrer Dächer kenn­zeichnet die Pfarrkirche, zu deren Visitation Liudger gekommen war.

 

Die Blindenheilungr> in Alna - Ahlen durch den hl. Liudger um 805

Miniatur aus: "Vita Sancti Liudgeri" Original in der Staatsbiliothek Berlin Preußischer Kulturbesitz MS. theol. Lat. fol. 323 Blatt 13  I 

Legende

Wie St. Ludger den Blinden in Ahlen heilte

Als der hl. Ludger einmal auf der Rundreise durch seine Pfarreien auch durch Ahlen kam und hier zu Tische saß, hörte man draußen einen Armen rufen und ängstlich flehen, der Bischof möge doch eines armen Menschen zu erbarmen sich würdigen. Der aufwartende Diener eilte hin, nahm in der Meinung, ein Armer begehre ein Almosen, Brot und Speise mit sich und reichte sie dem Bettelnden. Dieser weigerte sich aber, etwas anzunehmen und sagte, ihm sei anderes nötig. Da holte man ihm zu trinken; aber auch das wollte er nicht. Er verlangte, zum Bischof eingelassen zu werden, damit dieser ihm Hilfe biete. Der Diakon jedoch begriff nicht, was der Mann wollte. Er ließ ihn stehen und ging ins Haus zurück. Da schrie der Arme draußen immer lauter und Ludger sagte zum Diakon: "Wie lange willst Du Dich denn noch verstellen, als hörtest Du nichts?" Der Diakon antwortete: „Ich habe ihm schon Speise und Trank angeboten, aber er will nichts annehmen." - „Dann gib ihm einen Dinar!" sagte Ludger. Das Geldstück wurde dem Bittenden hinausgebracht, doch gleichfalls zurückgewiesen. Da ließ der Bischof ihn hineinführen und sprach:" Was hast Du, Bruder, was begehrest Du?" - „Mach, daß ich sehe!" erwiderte der Blinde, „Das ist es, worum ich Dich um der Liebe Gottes willen bitte." Da sagte Ludger, nicht befehlend, sondern die Bitten des Armen bewundernd: „Sieh um der Liebe Gottes willen!" Und, o Wunder, auf der Stelle konnte der Arme sehen und als man ihn zu Tische geladen, aß und trank er voller Freude und ging seines Weges.

Einige Exponate stellten freundlicherweise für die Ausstellung zur Verfügung:

Ahlen, Ludgeri-Schule, Beckum, Dechant Paul Röschenbleck, Berlin, Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz, Bonn, Pater Bücker, Priorat Christkönig, Düsseldorf, St. Ludgerus, Essen Werden, Rudolf Ludger Schütz, Essen Werden, Schatzkammer, Gerleve, Benediktinerabtei, Abt. Dr. Pius Engelbert, Pater Franz Josef Schwerbrock, Lippborg, Kirchengemeinde St. Cornelius u. Cyprianus, Möhler, St. Ludgerus- Kirchengemeinde, Moers Capellen, St. Ludgerus, Münster, Kongregation der Franziskanerinnen, Münster Stadtmuseum, Telgte, Karl-Heinz Engemann, Telgte, Konvent der Franziskanerinnen, Telgte, Dr. Thomas Ostendorf, Heimathaus, Telgte, St. Clemens, Propst Heinz Erdbürger,

Besonderer Dank gilt Pfarrer Willi Stroband, Ahlen, der unermütlich mit großer Hingabe Kindern aus Kindergärten und Schulen das Leben und Wirken des hl. Ludgerus anhand der Exponate in der Ausstellung spielend vermittelte.

Luidgers Lebensregel: Tue immer zuerst das Notwendige, dann das Nützliche und zuletzt das Angenehme


Exponate aus der Ludgerusausstellung im Museum im Goldschmiedhaus Ahlen
 

 

Sandsteinstatue 1877, St. Luidger, Telgte St. Clemens

St. Luidger 1620, St. Rochus Hospital, Telgte
Vorder- und Rückansicht


Entwurf und Ausführung: Johannes Niemeier
Leihgeber: Schütz, Essen-Werden

Entwurf und Ausführung: Joseph Krautwald, Rheine
Leihgeber: Engemann, Telgte

St. Ludgerus-Reliquiar,Moers Kapellen

St. Ludgerus-Reliquiar 1866, Lippborg,

St. Ludgerus-Reliquiar, Gerleve

St. Ludgerus-Reliquiar, Düsseldorf



 



 

Gebetbücher
Leihgeber: St. Clemens, Telgte






 




 

 

Gebetszettel / Heiligenbildchen
Leihgeber: P. Thomas Bücker

Geschenk von P. Thomas Bücker

Einige Presseveröffentlichungen zur Ausstellung im Museum im Goldschmiedehaus Ahlen


Ahlener Zeitung vom Dienstag, 8. November 2005


Ahlener Zeitung vom 5. November 2005


Die Glocke, Kreisseite, Donnerstag, 10. November 2005


Ahlener Zeitung, Freitag, 18. November 2005